Die Spätlese

Es gibt verschiedene Geschichten wie die Spätlese entstand.

Fakt ist wohl, dass die Bezeichnung im Herbst 1775 im Rheingau entstand. Ein Reiter, welcher alljährlich beim Fürst in Fulda die Erlaubnis zur Weinlese einholen musste, kehrte mit Verspätung zu den Mönchen, den damaligen Weinbauern des Johannisberg zurück. So entstand der Name „Spätlese“

Details zu Spätlese

Während der damalige Termin zur Weinlese nach einem Dekret der jeweiligen Weinbau-Gemeinden festgelegt wurde, mussten sich die Mönche des Schlossgut Johannisberg, welches damals zum Besitz des Bistums Fulda gehörte, die Erlaubnis zur Weinlese jährlich vom Fuldaer Fürstbischof einholen. So schickten Sie jeweils zur Reifezeit der Rieslingtrauben einen berittenen Boten nach Fulda. Doch in Weinjahr 1775 verspätete sich die Rückkehr des Boten aus unbekannten Gründen.

Eine Überlieferung besagt, der Reiter habe den Fürstbischof nicht gefunden, da sich dieser auf der Jagd befand und deshalb nicht erreichbar war. Die Andere lautet, der Kurier sei von Räuber überfallen und festgehalten worden und noch eine Geschichte besagt er habe unterwegs die Maid eines Müllers beglückt… Wie auch immer, die Mönche vom Johannisberg warteten und beteten Tag um Tag um die Rückkehr des Reiters. Mit dem Beginn der Weinlese der umliegenden Weinbauern mussten sie zusehen, wie ihre sorgsam gehegten Trauben an den Weinstöcken immer mehr von einer seltsamen Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea) befallen wurden und dahinschrumpften. Als der Reiter dann endlich mit der fürstbischöflichen Leseerlaubnis eintraf, schien die gesamte Weinernte eines Jahres vernichtet.

Obwohl die Mönche vom Schlossgut Johannisberg die Weinernte für verloren hielten, lasen die Mönche die wenigen verbliebenen und „verschimmelten“ Trauben und kelterten diese. Schon während des Mostabzugs bemerkte der als Kellermeister verantwortliche Mönch die besondere und konzentrierte Qualität des Jungweins und schließlich des fertigen Weins.

Überlieferungen zufolge haben wohl schon einige Weinbauern seit 1730 gerne eine geringe Menge an von Fäulnis befallenen Trauben der Maische beigemischt, um zu eine höhere Süße des Weins zu erreichen. Seit diesem geschichtsträchtigen Herbst 1775 jedoch wurde aus der scheinbaren Katastrophe eine für Deutschland traditionelle Weinbereitung und weltweit anerkannte Qualitätsbezeichnung.

Seitdem steht der Name Spätlese für besonders hochwertige Weine welche voluminöser, körperreicher, tiefer und komplexer sind. Die Spätlese hatte nebenbei noch den positiven Effekt der Entdeckung der Edelfäule. Unter Edelfäule bezeichnet man seither den Befall durch den Schimmelpilz Botrytis cinerea. Weinexperten damaliger Zeit bekundeten dass sie solchen Wein noch nicht verkostet hatten.“

Kurze Historie zu zu Spät gelesenen Trauben:

Tokajer

Einer von vielen Legende nach beruht die Entdeckung des Tokajer, dem Wein der Könige, einem im Jahre 1650 bevorstehenden Angriffs, der damals mit Ungarn befeindeten Türken. Daraufhin verschob der Verwalter der Burg von Tokaj die Ernte. Nachdem die Gefahr gebannt war, hatte sich die Edelfäule auf die Trauben ausgebreitet und der Tokajer war geboren. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Darstellungen. In einem alten Schriftstück aus dem 13. Jahrhundert wurde bereits von der Zubereitung von süßem Wein gesprochen und im Jahre 1571 von Aszú-Wein erstmals urkundlich dargestellt.

Sauternes

Laut einer weiteren Überlieferung von Süßweine kehrte der damalige Besitzer von Château d’Yquem, 1847 von einer Reise aus Russland verspätet zurück nach Bordeaux. Auch hier hatte mittlerweile die Edelfäule eingesetzt und die Trauben wurden zu Wein verarbeitet. Es stellte sich heraus, dass der Jahrgang 1847 der Jahrgang des 19. Jahrhundert werden sollte. Allerdings gibt es auch hier Hinweise auf noch ältere Jahrgänge.

Heutige Richtlinien für Spätlesen in Deutschland
Spätlese ist ein Prädikat für Qualitätsweine die heute in Deutschland für Weine mit einem bestimmten Grad Öchsle (einem Mindest-Mostgewicht) verwendet werden kann. Das vorgegebene Mindest-Mostgewicht für Spätlesen variiert in Deutschland allerdings in den unterschiedlichen Anbaugebieten und in einigen Fällen sogar innerhalb des jeweiligen Anbaugebietes und sogar unter den Rebsorten. Die Qualitätsbezeichnung Spätlese liegt über der Bezeichnung Kabinett (geringeres in Öchsle gemessenes Mostgewicht) und unterhalb der Auslese (höheres in Öchsle gemessenes Mostgewicht).

Herstellungs- und Qualitätsnormen

In Deutschland gilt seit dem Jahr 1971:
1. Eine Spätlese muss ein Mindest-Mostgewicht von 76-90° Öchsle (je nach Anbaugebiet und Rebsorte) aufwarten.

2. Laut Satzung des Weingesetztes dem § 20 entsprechen: „Bei der Spätlese dürfen nur vollreife Weintrauben verwendet werden, die in einer späten Lese (mindestens 7 Tage nach Beginn der eigentlichen Weinlese) geerntet worden sind.“

3. Der Most darf nicht mit Zucker angereichert werden.
4. Der fertige Wein muss in der Analysen- und Sinnesprüfung bestimmte Werte und eine Mindestpunktzahl erreichen

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass es lange Zeit (besonders im Ausland) einen Bezug zwischen Spätlese und süßem Wein gab. Dies rührte meist von Moselweinen her, die wegen ihrer vegetativen Verhältnisse nicht vollständig durchgären und so eine Restsüße im Wein bewahren. Heute werden Spätlesen in Deutschland zum größten Teil trocken ausgebaut. In der Regel stehen Spätlesen heute für Weine von höherer Güte, Konzentration, Langlebigkeit und besonderem Geschmack gegenüber Weinen niedriger Qualitätseinstufungen.

Text geschrieben von Rüdiger Kühnle

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